Ordensgeschichten



Der Auftrag

Seit drei Tagen hallen schon die Schreie durch diese langen, von dunklen Tüchern behangenen, Korridore, nur spärlich dringen die Lichter der Fackeln durch die Dunkelheit und lässt die Schatten als groteske Schemen tanzen. Eine junge Anwärterin kniet auf dem kalten unwirtlichen Steinboden und verwischt mit Wasser eine langezogene Schleifspur aus schon geronnenen dunklem Blut, die sich durch weite Teile der tristen Gänge zieht. Das Zittern ist noch deutlich auf ihrem jungen Leib zu sehen, auch wenn das schlichte und einfache dunkle Gewand sie wohl weitläufig bedeckt, noch immer sitzt die Furcht vor dem Gesehenen so tief. Ihr dunkelrotes Haar dringt in kleinen Locken aus der tief sitzenden Kaputze heraus, die zierlichen Finger, neun an der Zahl, kratzen mit dem nassen Stoff über den Stein. "Sie würde sich eilen müssen um nicht zu spät zu kommen, der Legat wird eine weitere Unachtsamkeit nicht dulden werden", dies ging ihr die ganze Zeit im Kopf herum während sie den Boden von dem Mal der Lüge befreite.

Aus der Kammer neben ihr drang das verzweifelte Flehen eines jungen Mannes, er verstand nicht was die Brüder und Schwestern von ihm wollten, das würde sein Ende sein. Die Schreie liesen dem Mädchen keine Zeit durch zu atmen, immer wieder erzitterte ihr Leib, wenn sie bis zu ihr durchdrangen, in der Reinheit ihres Ausdruckes. Die Geschwister würden dem Jüngling schon die Wahrheit bringen, da war sie sich sicher und sie hoffte das er doch noch schnell verstand. Dunkles Pochen kündete den Incomitatus schon von weitem an, seine eiligen Schritte durchdrangen dir kurze Stille zwischen dem Flehen und den Schreien. Er eilte an ihr vorbei, sein langer Umhang, von vielen Stickereien übersäht, wehte hinter ihm her und berührte nicht einmal den Boden, wenn er so hastig schritt. Mit keinem Blick würdigte er sie und geradezu betäubend mochte der markerschütternde Schrei sein, der aus der Kammer drang, als der Mann die Tür öffnete um einzutreten.

Er blickte durch den Raum und sein Blick fiel über den Tisch, welcher an Arm und Fußhöhe eiserne Schnallen aufwies, über die Ketten an den Wänden hin, zu dem Stuhl aus Eisen an welchem die Ursache der Schreie gekettet war. Sein Oberkörper war blank, unzählige Schnitte säumten ihn und zwischendrin waren Verbrennungen zu sehen. Der Raum stank nach Fäkalien, altem Blut, verbrannter Haut und verwestem Fleisch. In Demut neigte er knapp sein Haupt, die Hände hielten ein gerolltes Pergament und er blieb zur Seite des Legat stehen, welcher zurückgelehnt auf einem Stuhl dem Jungen Mann gegenübersaß und einem recht grotesk aussehenden Mann zusah, wie er unter dem Eisenstuhl ein kleines Feuer entzündete, auf welchem der zu Läuternde saß - das würde ihn schon zum Reden bringen.

Die entspannten Züge in seiner Miene wichen rasch einem angespannten, als er die Zeilen auf dem Schrieb überflog und ein sachtes, dankendes Nicken lies er dem Incomitatus zukommen, der dann auch schon sofort wieder davon eilte. Die Hand fuhr an die Kette aus Gold, die an seinem Hals lag, dies tat er oft und mit einem durchdringenden Blick, sah er auf den zu Läuternden herüber. Dann sprach er ruhig zu dem Grotesken, "Mach weiter" und stand alsbald auf um sich aus der Kammer zu entfernen. Langsam schritt er, an dem hohen schwarzen Stab gestützt, den langen Gang entlang, die eiserne Kappe an dem Fuß jenes gab einen dumpfen Laut mit jedem Schritt von sich und er hielt unmittelbar neben der jungen Frau inne. Sah auf sie herab und betrachtete ihr Tun. Sie traute sich kaum aufzusehen bis er dann ruhig und fest zu ihr nieder sprach, "Steh auf mein Kind, es ist nun an dir". Mit diesen knappen Worten schritt er langsam aber beharrlich weiter, die Frau ihm dicht folgend.

Ein großes Eisentor erschloss sich vor ihnen und versperrte den Weg in den dahinter liegenden Raum. An den Seiten waren Fackeln, gehalten von mächtigen Eisenhaltern, doch auf eine merkwürdige Weise schaffte der Schein des Feuers es kaum den Vorraum zu erhellen. Die Spitze des Stabes, ebenfalls mit Eisen beschlagen, schlug drei Mal gegen die Tür, bis sie geöffnet wurde. Ein Krieger kam zum Vorschein, komplett in Kampfgewandung, dunkler Stoff bedeckte seinen Rücken und fiel zu beiden Seiten von seinen Schultern. Eilig öffnete er die Türe und es gab sich der Blick auf den Raum preis. Schlicht gehalten, so wie wohl der Rest der Örtlichkeiten dort und ebenso in diesem düsternen Lichtschein, die Wände von blut roten Tüchern besetzt und ein langer Tisch aus dunklem Stein trohnte in der Mitte des Raumes. Am Kopf saß die Dame, er schenkte ihr ein tiefes Senken des Hauptes, mehrere Sekunden dauerte es bis er jenen Kopf wieder empor hob, nur um dann ein Geste mit dem Arm zu vollführen und zu den Anderen heran zu treten, die an dem Tisch saßen.

Alle waren sie in die Gewänder gehüllt, die auch ihn umgaben, nachtschwarze Hosen, blut rote Westen über schwarzen Hemden und man konnte die Anspannung in dem Raum förmlich riechen, als er sich an einem Platz zur Rechten der Dame niederließ. Die junge Frau, welche ihm die ganze Zeit folgte, blieb hinter ihm stehen und er machte auch keinerlei Anstalten, ihr einen Platz anzubieten. Auf dem Tisch war ein Plan ausgerollt und in ihm steckte ein kleiner filigran gearbeiteter Dolch, es war ein Stadtplan und er erkannte schnell worin der Dolch steckte. Schon lange war der Bewohner des Hauses ihnen ein Dorn im Auge, Unachtsamkeit und falscher Hochmut durchdrangen ihn stets und keine Warnungen halfen, so musste man ein Exempel statuieren, das sagte er schon lange und wie es schien, war es nun soweit gekommen. Langsam glitten die samtenen schwarzen Handschuhe von seinen Fingern und gaben den Blick frei, auf den eisernen Ring der an seiner Rechten trohnte. Ein großer Ring war dies und auf ihm war ein Wappen, das allen nur arg vertraut war...

© Gorgo

Gründung des Ordens

"Denn so lehret uns die Zeit - wo Licht ist, ist auch Schatten."

Es war in einer Zeit, in der Vitama frohlockend ihre Güte über der Insel Siebenwind erstrahlen ließ und die Sonne die Völker jeden Morgen zu begrüßen suchte. Die Völker waren glücklich und zufrieden... und blind. Und so bemerkte niemand, was sich in einem stillen Hain in den Weiten des Landes zutrug.

Dort, wo höchstens die scharfen Augen der Elfen hinzureichen vermochten, stand von dichtem Blätterdach vor neugierigen Blicken geschützt, ein verlassenes Gemäuer, dessen Eingang schon jahrelang nicht mehr von eines Lebewesens Fuße berührt worden war. Selbst die Keckesten im Tierreich wagten sich nicht einmal in die Nähe dieses Bauwerkes und kein Vogel sang in seinem Dunstkreis. Eines Tages jedoch wurde diese Stille jäh unterbrochen, von dem Schnaufen eines Menschen, der mit seinem Schwert suchte, durch das Dickicht zu brechen, direkt auf die Ruine zu. Gareth Sungar war der Name dieses kühnen Recken und die Natur schien den Atem anzuhalten, als der Krieger nun vor diesem vergessenen Ort verweilte. So schritt er denn von einer unsichtbaren Stimme angezogen im tiefsten Innern und so als ob Gareths bloße Anwesenheit reichte, flackerten in der Ruine unzählige, kleine Kerzen auf und hüllten die Kuppel in ein düsteres Licht, in dem Gareth identifizieren konnte, dass er sich in einem der wenigen, doch noch sehr gut erhaltenen Tempel des Namenlosen, des Dämonkönigs, des Einen - Angamons - befand. Sich am Ziel seiner Reise sehend, beschloss der Krieger Gareth, hier als neuer Tempelritter sein Möglichstes zu tun, um dem Herrn Angamon die ihm gebührende Lobachtung zu erweisen und den ihm geweihten Tempel wieder in seiner vormaligen Düsternis auferstehen zu lassen.

"Wo einer ist, da sind bald viele..."

Die Wochen zogen ins Land und Gareth hütete den Tempel des Angamon gut, bis eines Tages eine Wende eintreten sollte. So fand von unsichtbarer Hand geleitet auch ein Barbar des Elchstammes, Wulfgar Beregor war sein Name, den Weg durch den finstren Wald. Zum Zusammentreffen kam es und beide Recken fochten hart, doch wollte keinem von beiden ein Treffer gelingen. Es sollte nicht lange dauern, da erkannten beide, dass sie derselben Gesinnung waren und kalmierten Gemüt und Waffenarm. Der Beschluss beider besagte, dass es doch schade wäre, vergeudeten sie mit Quereleien hier ihre Kräfte und bereiteten stattdessen eine Zeremonie vor, wie sie in diesem Tempel schon seit vielleicht Äonen nicht mehr gefeiert worden war. Des Nachts erstrahlten die dem Dämonenkönig geweihten Hallen in einem dunklen Glanz, als Gareth Sungar der Krieger und Wulfgar Beregor, Barbar des Elchstammes mit dem Blut einer Jungfrau die Gründung eines Kultes zelebrierten. Die Botschaft und den Glauben an den Einen sollte mit dem Hass und der Finesse über Falandrien herfallen, die Angamon zur Ehre gereichen würde.

Scutum Umbrae lautet der Name des Bundes, für den der Schutz der Dunkelheit zum Markenzeichen werden sollte - Niemals sich zu erkennen geben, niemals verraten und immer darauf bedacht sein, der Sache zu dienen - die Grundpfeiler der Gildenmoral.

Der alte Drache Tare soll in jener Nacht von furchtbaren Alpträumen geplagt worden sein und in den umliegenden Dörfern fiel die jährliche Ernte so schlecht aus wie noch nie - die Saat des Böses, sie ward gesät.

"... und wer Wind säht, wird Sturm ernten."

Einen Tag später nur, Wulfgar flanierte auf der Suche nach neuen Jüngern in Sachen Scutum Umbrae durch die Stadt, als er plötzlich einen kleinen Jungen gegenüberstand, der ihm einen Gegenstand unter die Nase hielt, den wie er sagte, er dem Barbaren eben erst entwendet hatte. Man kam ins Gespräch und so dauerte es nicht lange, dass Wulfgar erfuhr, dass Mondano, so hieß der kleine, aber geschickte und flinke Dieb ein ebenso loyaler Anhänger des Einen war, wie er selbst. Er wurde noch am selben Tag als neuer Jünger in der Scutum Umbrae begrüßt, ebenso wie etwa einen Monat später ein junger Magus, der eher unfreiwillig von den jetzt drei Jüngern in der Kunst der schwarzen Magie und den Lehren Angamons unterwiesen wurde.Kalei hieß er und als seine angeborene Neugier erst einmal geweckt war, konnte man bei ihm tagaus, tagein nichts anderes mehr, als fieberhaften Wissensdrang und Fanatismus beobachten.

Gareth Sungar, Wulfgar Beregor, Mondano und Kalei- diese vier ersten Jünger waren von nun an untertags und vor allem Nachts am Ausbauen der Struktur der Scutum Umbrae und sie bestellten den Tempel, sodass von seinen vormaligen Alterserscheinungen nichts mehr zu bemerken war - ein schwarzer Phönix im Walde. Und Angamon blickte ruhig und finster lächelnd auf die Insel Siebenwind herab und er sah, dass es gut war.

[OOC: Die Char Namen wurden absichtlich verändert.]

© Kalter Hauch & Soltari

Scutum Umbrae - Schild der Schatten © Kunagor